Fünf Dörfer gehen in die digitale Zukunft

Fünf Dörfer gehen in die digitale Zukunft

Pilotprojekt im Landkreis Gießen startet Dorf-App und leistet zentralen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raums

Landkreis Gießen. Nachbarschaftshilfe, Mitfahrgelegenheit, Ankündigungen für den Laternenumzug oder den Seniorennachmittag, Links zu Bildungsangeboten oder Energieberatung – das alles und vieles mehr per Fingertipp auf dem Mobilgerät: Fünf Dörfer im Landkreis Gießen bekommen als Teil eines Pilotprojekts eine Dorf-App, die zu einem zukunftsfähigen ländlichen Raum beitragen soll.

Unter dem Titel „Digitale Dörfer“ geht der Landkreis gemeinsam mit vielen Partnern die Herausforderung an, vorhandene Potenziale in Dorfgemeinschaften mit digitaler Technologie zu verbinden. Die flächendeckende Breitbandversorgung ermöglicht das ebenso wie das große ehrenamtliche Engagement in vielen Orten. „Die Digitalisierung birgt für den ländlichen Raum enorme Chancen“, sagt Landrätin Anita Schneider. „Als Landkreis möchten wir die Gemeinden dabei unterstützen, diese zu nutzen. Wir möchten Impulse geben. Die Chance liegt darin, dass wir das stärken, was den ländlichen Raum ausmacht – viele aktive Dorfgemeinschaften.“

Biebertal, Buseck, Grünberg, Langgöns und Staufenberg dabei

Die Pilot-Orte, die als Modell für das „Dorf 4.0“ dienen, stehen fest. Aus den Kommunen vorgeschlagen wurden Biebertal-Königsberg, Buseck-Oppenrod, Grünberg-Harbach, Langgöns-Dornholzhausen und Staufenberg-Treis. Alle Orte verfügen über engagierte Vereine, die das gesellschaftliche Leben prägen. Eine wichtige Voraussetzung, wie Kreis-Demografiebeauftragter Dr. Julien Neubert erklärt, der das Projekt federführend begleitet: „Die Digitalen Dörfer sind kein aufgestülptes Konstrukt. Die Inhalte werden mit und für die Dorfgemeinschaften erarbeitet.“

Die Dorf-App könne wie eine Art digitaler Dorf-Funk oder ein schwarzes Brett funktionieren, vergleicht Neubert. Denkbar sei zum Beispiel, dass sich Pendler zu Mitfahrgelegenheiten vernetzen, dass Nahversorger oder Direktvermarkter einen Online-Marktplatz samt Mitbringdienst anbieten, dass die Kreisvolkshochschule passende Bildungsangebote einbringt oder dass lokale Nachrichten und Dienstleistungen verfügbar sind – das alles stets auf den Ort zugeschnitten. Zugleich werde durch intelligente Mitfahrbörsen oder Angebote zur Energieberatung ein aktiver Beitrag für den Klimaschutz geleistet.

Ermöglicht wird das Pilotprojekt durch eine Förderung über das LEADER-Programm der Europäischen Union, das der Stärkung des ländlichen Raums gilt und 65 Prozent der mit rund 254.000 Euro veranschlagten Gesamtkosten abdeckt. Die Summe beinhaltet unter anderem das Programmieren der App durch einen Dienstleister, aber auch ein Projektmanagement, das in der Kreisverwaltung angesiedelt sein wird. Ebenfalls sollen digitale Stelen beschafft werden. An zentralen Plätzen angebracht, ermöglichen diese auch denjenigen einen Zugang zur App, die selbst kein Smartphone nutzen. In Workshops wird vermittelt, wie die Nutzung der App funktioniert.

Die Stadtwerke Gießen sind ebenso wie der Gießener Anzeiger als Medienpartner mit eingebunden. Zugleich ist eine Evaluierung des Vorhabens durch den Fachbereich Wirtschaftsgeographie der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgesehen.

Landrätin Schneider: Ein digitales Netzwerk für Ideen aus den Dörfern

Wie sehr Ideen aus einem Ort und für einen Ort zur Qualität eines Wohn- und Lebensorts und einer intakten Infrastruktur beitragen können, zeigen bereits viele ehrenamtliche Projekte im Landkreis Gießen – etwa Gemeindeschwestern, Dorfläden, Bürgerbusse oder Begegnungsstätten. „Wir schaffen ein digitales Netzwerk für gute Ideen aus den Dörfern“, sagt Landrätin Anita Schneider. Der Landkreis Gießen entwickelt sich dynamisch, einige Kommunen im Umland von Gießen verzeichnen ein besonders hohes Bevölkerungswachstum. Gerade deshalb sei es wichtig, das Augenmerk auf den Landkreis in seiner Fläche zu legen, sagt die Landrätin: „Digitale Infrastruktur kann dazu beitragen, dass sich Dörfer zu lebenswerten Orten mit Angeboten für Menschen in jedem Alter entwickeln.“

Eine Steuerungsgruppe wird als Schnittstelle fungieren, in einem ersten Schritt wird Anfang kommenden Jahres das weitere Vorgehen mit Bürgermeistern und Ortsbeiräten abgestimmt. Zugleich wird kräftig die Werbetrommel für das Projekt gerührt. Läuft alles nach Plan, kommt die App für die beteiligten Dörfer nach einer Testphase im Herbst 2020 zur Anwendung.

Der Hessische Rundfunk hat bereits berichtet. Hier geht´s zum Podcast.

 

 

 

Bildunterschrift:

Partner für die „Digitalen Dörfer“: (v. l.) Prof. Dr. Stefan Hennemann (Uni Gießen), Kreis-Demografiebeauftragter Dr. Julien Neubert, Ulli Boos (Stadtwerke Gießen), Busecks Bürgermeister Dirk Haas, Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann, Landrätin Anita Schneider, Regionalmanagerin Anette Kurth und Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller. (Foto: Landkreis Gießen)

(Pressemitteilung des Landkreises Gießen, 21.11.2019)